Kirchengemeinde Simmozheim

Simmozheimer wissen viel zu erzählen

Ortschronistin Doris Gerstmair trägt unterhaltsame und tragische Geschichten zusammen / Vorstellung im Herbst


Von Bettina Bausch

Jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit im Herbst ein Buch mit vielen Simmozheimer Geschichten aus dem Krieg und der Nachkriegszeit erscheinen kann.

Vor drei Jahren gab der Simmozheimer Pfarrer Manfred Mergel den Anstoß dazu, dass ältere Menschen aus der Gemeinde ihre Erinnerungen aufschreiben oder erzählen. „Es wäre schon schade, wenn Wissen aus der Vergangenheit verloren geht“, sagte der Geistliche und ermutigte engagierte ältere Gemeindeglieder zum Aufschreiben ihrer Erinnerungen.

Drei Jahre lang hat Ortschronistin Doris Gerstmair Hausbesuche bei den älteren Simmozheimern gemacht und sich vieles erzählen lassen. Es sind so viele Beiträge zusammengekommen, dass jetzt ein Buch mit dem Titel „Des kannst dr net vorstella!“ herausgegeben werden kann.

„In dem Band kommen 32 Erzähler zu Wort, 13 Beiträge haben die älteren Menschen selbst geschrieben, 19 wurden mir erzählt“, berichtet Gerstmair. Die rührige Heimatgeschichtlerin hat diese Schilderungen in schriftliche Form gebracht und dabei festgestellt, dass eine erstaunliche Vielfalt von Erzählungen zusammengekommen ist.

Da wird berichtet von der früheren mühsamen Arbeit in der Landwirtschaft und harter Waldarbeit, von Erlebnissen in der Kinderzeit, von Krieg, Vertreibung und Flucht. So berichtet zum Beispiel eine Seniorin: „Mein Opa saß bei der Fahrt mit dem Treckwagen auf dem hinten überstehenden Brett. Er schlief ein und plötzlich war er tot. Wir konnten ihn nur noch notdürftig verscharren, es hatte ja 20 Grad minus und der Boden war tief gefroren. Danach kam ich mit meinem Bruder auf ein Schiff. Dort starb er, vermutlich an Durchfall."

An anderer Stelle wird noch an den alten schwäbischen Brauch des „Vorsitz“ erinnert. „Verwandte oder Schulkameraden trafen sich in einer warmen Stube, um Licht und Heizmaterial zu sparen. Viele Frauen brachten ein Spinnrad mit, andere strickten“, wird berichtet.

Später erfährt der Leser unter anderem, dass es in der Zeit vor dem Krieg und während des Zweiten Weltkrieges ein einziges Auto in Simmozheim gab, einen Opel.

Einen breiten Raum nehmen Schilderungen von Familienereignissen wie Hochzeiten, Konfirmationen und auch Beerdigungen ein. Auch lustige Erzählungen wie Mai-Streiche und Ladengeschichten sind eingestreut. Außerdem sind Erinnerungen an originelle Menschen und Anekdoten in den Aufzeichnungen festgehalten.

„Die Texte sind jetzt noch in der Korrekturphase, am 7. November sind wir jedoch soweit, dass der Band dann vorgestellt werden kann“, berichtet Gerstmair. Ihr Mann hat in aufwändiger Kleinarbeit einen ansprechenden, in kräftigem Rot gehaltenen Einband entworfen. 800 Exemplare dieser Erzählungen sollen zunächst einmal gedruckt werden, und ein Band wird 13,80 Euro kosten.

Die Gemeinde beteiligt sich an den Herstellungskosten. Was beim Verkauf der Exemplare dann zusammenkommt, wird an die Kommune zurückerstattet. Viele Simmozheimer freuen sich jetzt schon auf dieses einmalige Buch und sind sich sicher, dass auch ihre Kinder und Enkel es sehr gerne lesen werden.

Doris Gerstmair zeigt den Einband des neuen Simmozheimer Buchs mit zahlreichen alten Geschichten über das frühere Leben in der Gäugemeinde


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