Simmozheim erinnert sich gemeinsam
Kriegs- und Nachkriegszeit werden wach / Mehr als 30 Bürger beteiligt / Zum Schmunzeln und Nachdenken
Von Bettina Bausch
Simmozheim. Die mit Spannung erwartete Buchvorstellung der gesammelten Erinnerungen älterer Simmozheimer Bürger wurde am Wochenende zahlreichen interessierten Besuchern vorgestellt.
Vor drei Jahren wurde die Idee geboren, Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit zu sammeln und für die Nachwelt aufzuschreiben. Jetzt liegen die bewegenden Geschichten von mehr als 30 Frauen und Männern in einem stattlichen Band mit vielen Farbfotos mit dem Titel „Des kannst dr net vorstella!“ vor. Der Saal des Evangelischen Gemeindehauses platzte aus allen Nähten. Doris Gerstmair hatte mit Pfarrer Manfred Mergel die Texte gesammelt, überarbeitet, zum Teil selbst geschrieben und das Erscheinen des Buches voran getrieben. Sie stellte den Werdegang der vergangenen drei Jahre dar.
In einer interessanten Bilddokumentation wurde zunächst gezeigt, wie vom Eingang der ersten handgeschriebenen Blätter, deren Überarbeitung und Eintippen in den Computer, über die Layout-Gestaltung und das mehrmalige Korrekturlesen bis hin zum Druck und Binden das Buch mit viel Eigenleistung geformt wurde.
„Werner Gerstmair war bei allen praktischen Dingen der Spiritus Rector bei der Entstehung diese Buches“, lobte Mergel. Durch den engagierten ehrenamtlichen Einsatz der Familie Gerstmair seien viele Kosten gespart worden. Es sei zudem hervorragend gelungen, „Geist in Materie umzusetzen und zwischen zwei Buchdeckeln für die Nachwelt aufzubewahren“, so der Pfarrer.
Während der dreijährigen Vorbereitungen sind einige der betagten Simmozheimer, die Erinnerungen zu dem ungewöhnlichen Buch beigesteuert haben, verstorben. Dies zeigt, wie wichtig es war, das Vorhaben umzusetzen.
"Ich hoffe, dass auch unsere jungen Mitbürger dieses Buch in die Hand nehmen“, wünschte sich Bürgermeister Hartmut Mayer und erinnerte daran, dass vor 50 Jahren die Welt noch völlig anders gewesen sei als heute. Man merke den Berichten deutlich an, dass das Wort von der „guten alten Zeit“ so nicht stimme.
Gerstmair und Mergel lasen mehrere Kostproben aus dem Buch, die sowohl zum Schmunzeln anregten und für manchen Lacher sorgten, als auch nachdenklich stimmten. Die Lebenserinnerungen der Autoren berichten vom entbehrungsreichen Leben in bescheidenen Verhältnissen bei harter Arbeit, von unbeschwerter, fröhlicher Kindheit im Dorf genauso wie von Kriegsnöten sowie Vertreibung und Flucht.
Doch auch von fröhlichen Familienfeiern, Winterfreuden, Maien-Streichen und kauzigen Dorf-Originalen wird in diesem faszinierenden Band berichtet.
Margot Haußer hatte mit dem Backteam für das leibliche Wohl der Gäste mit Zwiebel- und Kartoffelkuchen gesorgt. Zudem spielte sie mit stimmungsvollen Ziehharmonikaliedern zum Mitsingen und zur geselligen Unterhaltung der Gäste auf. Am Ende gab es dann einen wahren Ansturm und lange Schlangen vor dem Verkaufsstand. Wer wollte, konnte sich das Buch von den beiden Herausgebern signieren lassen.
