Arbeit ist nicht der Sinn des Lebens
Weihnachtsgottesdienst in Simmozheim verbreitet Wärme und Herzlichkeit / Glaube hilft Alltag meistern
Von Julia Sterzer
Simmozheim. Finanzkrise, finanzielle Einbußen, Arbeitslosigkeit und Kunduz-Affäre: Das Jahr 2009 war eindeutig kein Zuckerschlecken.
Verunsicherung und Misstrauen haben sich in der Bevölkerung ausgebreitet. In solchen dunklen, schwierigen Zeiten besinnen sich viele Menschen auf das, was ihnen in guten selbstverständlich oder vielleicht sogar unwichtig erscheint: Harmonie, Familienglück und der Glaube an Gott.
„Der Sinn des Lebens erschöpft sich nicht in der Arbeit. Es erschöpft sich nicht in einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Es kommt auf das Licht an, das von außen auf uns scheint. Wir werden von Gott geliebt. Ganz unabhängig von unseren Leistungen“, sagt Pfarrer Manfred Mergel. Gerade die Weihnachtszeit könne man dafür nutzen, zu prüfen, ob man den für sich selbst richtigen Weg gehe.
Einen kleinen Denkanstoß lieferte dieses Jahr jedoch nicht nur der Weihnachtsgottesdienst in der festlich geschmückten Dreifaltigkeitskirche: Das letzte Türchen des lebenden Adventskalenders, der das vorweihnachtliche Gemeindeleben bereichert hatte, wurde ebenfalls während der Andacht geöffnet.
Wärme und Herzlichkeit empfingen schon beim Betreten der Kirche jeden Besucher. Besonders die Dekoration des Gotteshauses mit der meterhohen Tanne, unter der die Puppenversion des Christkinds schlummerte, die Strohsterne und die kunstvoll geschnitzte Krippe trugen zur Atmosphäre bei.
Der Gottesdienst wurde mit dem symbolischen Öffnen des 24. Türchens begonnen. Mehr als drei Wochen lang hatte der lebende Adventskalender das Gemeindeleben in Simmozheim auf Trab gehalten. „Er ist ein Teil gelebter Glaubensgemeinschaft. Jeden Tag haben sich Freiwillige getroffen, um Fenster zu schmücken, Glühwein zu trinken und gegenseitig weihnachtliche Impulse auszutauschen“, berichtete der Pfarrer.
Beim gemeinsamen Singen von Kirchenliedern und der wohlbekannten Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium war die besinnliche Stimmung auf ein festes Fundament gebaut. „An Weihnachten geht es nicht um moralische Aspekte, sondern um die Geburt des Erlösers“, erinnerte Mergel die Kirchengänger. „Wenn das Leben uns so schwer beutelt, sind die Zweifel so groß, dass zu glauben einem unendlich schwerfällt. Doch der Glaube selbst ist ein Geschenk, der uns das Leben meistern lässt.“
