Kirchengemeinde Simmozheim

Tausende von Maschen für Kinder in Afrika

Fleißige Hände stricken und häkeln Wolldecken / Jedes Stück ein Unikat / Gemeindehaus wird zum Umschlagplatz für Wolle


von Steffi Stocker

 Simmozheim. Es sieht aus wie auf einem Basar, wenn einmal monatlich im Gemeindehaus in Simmozheim unzählige Kisten mit Wolle stehen. Im Verlauf von zwei Stunden türmen sich Decken und Babyschuhe auf den Tischen. Das Material wird in Hunderttausenden Maschen für Kinder in Afrika verarbeitet. 

Kunterbunt oder farblich abgestimmt mit unterschiedlichen Mustern ist jede Wolldecke ein Unikat. „Es sind inzwischen mehr als 1800 Decken", berichtet Käthe Neufeld. Die Initiatorin des Projekts organisiert jeden Monat das Austauschtreffen. Dann kommen die Wolldeckenstrickerinnen und bringen ihre fertigen Handarbeiten oder auch einzelne Teile mit. „Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er die Wolle verarbeitet“, erklärt Neufeld, dass viele der Frauen Quadrate stricken oder häkeln, die dann von anderen zusammen genäht werden. Am Ende sind es immer Decken von 1,20 oder 1,40 auf 1,60 Meter. Mal zieren Schleifen oder Blumen das fertige Stück, ein anderes Mal ist eine individuelle Strick- oder Häkelart charakteristisch. „Kein Stück Wolle geht verloren“, berichten einige Frauen von der Verwertung der Reste, während sie fleißig mit den Nadeln klappern. Es laufe schon mal sehr dünnes Garn bei dickerer Wolle mit und verleihe dem Stück neuen Glanz. Selbst Pullis oder Schals werden aufgetrennt und das Material neu verarbeitet. 

Längst hat sich das Projekt zu einem Selbstläufer entwickelt. So kam beispielsweise immer wieder ein Brief mit dem Gruß einer Oma bei den Strickerinnen an. „Wir wissen nicht, wer die Dame ist“, erzählt Neufeld. Bekommen die Handarbeiterinnen Maschinenstrickgarn auf Kegeln, kann die Organisatorin auf Ehemann Arnold Neufeld Zähle. Um dickeres Garn zu bekommen, wickelt er aus mehreren Fäden Knäuel zusammen. Das Ehepaar sortiert die Wolle nach Farben vor. 

„Das Bild eines Babys in einer Wolldecke hat mich berührt“, erzählt die Initiatorin vom Start des Projekts vor mehr als sechs Jahren. Ihrem Aufruf dafür folgte als erste Lise Bihler, die noch heute fleißig Maschen strickt. Die fertigen Decken und auch Babyschuhe bringt Neufeld in das Tropeninstitut Tübingen. Das dort ansässige „Deutsche Institut für Ärztliche Mission“ bringt die Spenden an die Bestimmungsorte. „Derzeit werden die Decken im Kijabe-Hospital in Kenia gebraucht“, berichtet Neufeld. Regelmäßig dokumentiert sie in einem Buch die Entwicklung der Strickerinnen, zu denen rund 60 Frauen aus dem ganzen Kreis Calw gehören. Gerne bringt Neufeld schon mal Wolle zu Strickerinnen, die nicht mehr mobil sein können.

Mehr als 1800 Decken haben die Strickerinnen in Simmozheim bislang hergestellt. Jede Handarbeit ist ein Unikat.


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