Geschichten aus dem Leben gegriffen
Pfarrer Manfred Mergel gestaltet Lesung dieses Mal auf Hochdeutsch / Packende und humorvolle Beiträge
Schwarzwälder Bote, 15.12.2010
Von Bettina Bausch
Simmozheim. Wieder hatte sich eine Schar Simmozheimer Bürger im idyllisch gelegenen Heim der Sportschützen eingefunden, um einer weihnachtlichen Lesung von Pfarrer Manfred Mergel zu lauschen. Der Raum war weihnachtlich dekoriert und der Holz befeuerte Ofen verbreitete eine wohlige Wärme.
Wer auf Mundartgeschichten gehofft hatte, war nur ganz kurz ein wenig enttäuscht, denn die Weihnachtsgeschichten und Gedichte zogen die Zuhörer schnell in ihren Bann, auch wenn sie dieses Jahr ausschließlich in hochdeutscher Sprache vorgetragen wurden.
Die Inhalte der teils spannenden und oft humorvollen Geschichten waren aus ganz verschiedenen Lebensbereichen gegriffen und gaben in ihrer Summe ein Bild prallen Lebens sowie der verschiedenartigsten Menschen- und Lebenssituationen.
Da wurde zum Beispiel über das Christfest 1943 berichtet. Vor allem ältere Menschen konnten sich dabei noch lebhaft an die Weihnachtsbäume ihrer Kindheit und die kargen, meist praktischen Geschenke der damaligen Zeit erinnern.
Auch dass „Christbäume“ zur Erhellung der Bombenziele in den letzten Kriegsjahren vom Himmel fielen und Leben zerstörten, bleibt gerade im Großraum Pforzheim unvergessen.
Schmunzeln, Heiterkeit und Zustimmung bewirkte das Gedicht „Weihnachten“ von Robert Gernahrdt. Darin wird geschildert, wie in einer Familie einer den anderen beschenkt, das teuerste Paket 22,50 Mark und das billigste 18 Mark gekostet hatte. „4,50 DM muss ich noch bekommen. Ich freue mich auf Weihnachten“, lautete Erikas Rechnung. Dass nicht alle Menschen ausschließlich materialistisch eingestellt sind, zeigte eine Geschichte, in der erzählt wurde, wie eine schwangere Frau, die wegen der Probleme mit einer unmittelbar bevorstehenden Entbindung von vielen abgelehnt wurde, doch noch gute Menschen fand.
Eine besonders packende Erzählung war „Der Engel mit der Pudelmütze“: Ein Junge, der nach gängigen Maßstäben eher ein Bengel ist, hat doch ein gutes Herz. Es ist zwar für seine arme Familie ein großer Verlust, dass er seine Pudelmütze verliert, doch er legt jeden Abend eine künstliche Blume unter das Bild der Maria mit dem Jesuskind. Nach einem Jahr holt ihn ein Engel ab, und staunend sieht Felix, dass das Jesuskind auf Blumen gebettet ist, die von ihm stammen.
Mitten aus dem Leben gegriffen war auch ein weihnachtlicher Abschnitt aus Eric Malpass´ “Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“. Diese Geschichte zeigt auf humorvolle Art, wie problematisch und heikel der Weihnachtsabend in einer Großfamilie sein kann.
