Frauen reisen in ein Land der Extreme
Chile steht beim Weltgebetstag im Mittelpunkt / Typische Speisen serviert / Vom Teilen sowie Danken
Schwarzwälder Bote, 07.03.2011
Von Bettina Bausch
Simmozheim. Wer am Freitagabend das evangelische Gemeindehaus in Simmozheim betrat, wurde empfangen von einem ungewöhnlichen Cocktail exotischer Gerüche.
Einige Frauen hatten zum Weltgebetstag eingeladen und eine ganze Palette typischer chilenischer Speisen vorbereitet, um auch über den Gaumen auf die Besonderheiten dieses Landes aufmerksam zu machen.
Da war es für die Besucherinnen gar nicht so einfach, unter den zahlreichen Gerichten auszuwählen. So gab es zum Beispiel Maisauflauf, Staudensellerie mit Avocados, frittiertes Gebäck, Gemüse-Thunfisch-Eintopf, chilenische Bohnensuppe und Leckereien wie Bananenkuchen oder Kekse mit Karamellcreme. Dazu wurden Weltgebetstag-Brote gereicht, die speziell für diesen Tag gebacken worden waren.
Nach der kulinarischen Begegnung mit dem südamerikanischen Land gab es jede Menge Landesinformationen. Einige Frauen zeigten Bilder von Chile, und Bettina Beisenkötter vermittelte dabei umfangreiche geografische, soziale und politische Inhalte. Chile erstreckt sich über 4200 Kilometer entlang der südamerikanischen Pazifikküste, ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat jedoch nur 17 Millionen Einwohner. Wer die ganze Länge des Landes durchreist, erlebt fünf Klimazonen.
Das Land der geografischen Extreme hat bis heute immer wieder extreme politische Verhältnisse erlebt. Heute zeichnet es sich aus durch unermesslichen Reichtum eines kleinen Teils der Bevölkerung und bittere Armut beim größeren Teil.
Chile leidet massiv unter der Globalisierung, obwohl es mit Salpeter, Kupfer und anderen Reichtümern gute Exportchancen hat. Um die Gleichberechtigung der Frau ist es noch sehr schlecht bestellt, was sich sowohl durch niedrige Löhne als auch in der gesellschaftlichen Stellung ausdrückt.
Da auch ihre Männer oft nicht genügend Geld verdienen, taten sich in letzter Zeit verstärkt Frauengruppen zusammen und entwickelten erfolgreich gemeinsame Geschäftsideen.
Solche engagierte chilenische Frauen haben in diesem Jahr das Programm für den weltweiten Gebetstag ausgearbeitet und ihm ihre Prägung gegeben. Organisatorin Edeltraut Kipp und die Instrumentalistinnen Evelyn Gezork, Katja Hauer und Angelika Höferth führten durch den ökumenischen Gottesdienst. Alle Frauen saßen im Kreis, sangen chilenische Lieder, erlebten szenische Darstellungen und feierten gemeinsam, indem sie sich fast alle bei der Gestaltung mit einbrachten.
Das Motto lautete „Wie viel Brote habt ihr?“. Dieser Satz stammt aus der biblischen Geschichte von der Speisung der Fünftausend. Wie in der Geschichte durch Teilen alle gesättigt werden konnten, ging es auch beim Gottesdienst um die Begriffe Haben, Teilen und Danken. Jeder war aufgerufen, seine Talente aufzuschreiben, die er für die Gemeinschaft einbringen kann.

Gerlinde Bullinger, Edeltraut Kipp, Ursel Birkenmaier, Bettina Beisenkötter, Hanna Krebs und Elisabeth Dietterle (von links) gestalteten gemeinsam mit anderen Frauen den Gottesdienst zum Weltgebetstag.
Foto: Bausch
