Der schreibende Pfarrer von Simmozheim
Manfred Mergel verfasst durch einen Zufall Gedichte und Kurzgeschichten
Von Bernd Schiel
Manfred Mergel sucht nicht. Er findet. Es ist der Alltag, der seinen Geist füttert, ihm Nahrung gibt für einen Aphorismus oder eine Kurzgeschichte. Um auszudrücken, was ihn umtreibt, bedient er sich des Schwäbischen. Manfred Mergel hat zwei Berufungen, er ist Pfarrer und Schriftsteller.
Er habe nicht Mundartdichter werden wollen, erzählt Mergel. "Es war ein kleines Wunder." Eines Tages, Mergel arbeitete an einem Text, flossen auf einmal keine hochdeutschen Worte mehr aus seiner Feder, sondern schwäbische. "Plötzlich und ungewollt", erinnert er sich. Fortan ließ er Schriftsprache Schriftsprache sein und formulierte in Mundart.
"Der Dialekt ist mit dem Leben verwachsen", schreibt Mergel im Vorwort zu seinem Buch "Der gewölbte Himmel". Weiter heißt es: "Jeder Mensch denkt und fühlt in seiner Muttersprache. Die Niederschrift unserer Gedanken und Empfindungen erfordert ein Umsetzen der gesprochenen Sprache in die geschriebene Sprache."
Dieser Maxime folgend, fing Mergel an, dann und wann auch schwäbisch zu predigen. Abschriften seiner Predigten fanden Einzug in Zeitungen; der literarische Erfolg des Manfred Mergel hatte eingesetzt. Denn ein Verleger war auf seine Werke aufmerksam geworden und bot dem Pfarrer an, diese zu veröffentlichen. 1997 erschien Mergels erstes Buch: "Das schwäbische Amen". Dazu gab es eine Kassette, auf der sich drei Predigten des Pfarrers fanden.
Inzwischen sind es einige Veröffentlichungen mehr geworden. 1998 kam "Der gewölbte Himmel" heraus, eine Sammlung von Texten in Mundart. Und ein Jahr später lag Antoine Saint-Exupérys "Der kleine Prinz" auf Schwäbisch in den Buchhandlungen aus - natürlich übersetzt von Manfred Mergel, ebenso wie er die Weihnachtsgeschichte aus dem Griechischen ins Schwäbische übertrug. 2000 folgten das Buch: "Schwäbisch von Gott reden" und die CD "In unserer Kirch wird schwäbisch gschwätzt", und im vergangenen Jahr "D Ostergschicht auf schwäbisch".
In all seinen Arbeiten begibt sich Manfred Mergel auf die Reise zu den "menschlichen Wurzeln", versucht, Liebe zu vermitteln und zwischenmenschliche Wärme - abseits von Wohlstand, Leistungsdruck und Hektik. Um noch einmal aus dem Vorwort zu zitieren: "Die mundartliche Ausdrucksweise schafft in unserer hartherzigen, leeren und gefühlskalten Welt eine Herzlichkeit und Wärme..."
Mergel hat einen Bruch zwischen den Generationen ausgemacht: "Die Lebenswelten klaffen unendlich weit auseinander", sagt er. Nach und nach verlöre die Jugend den Bezug zu ihrer Geschichte und Tradition. Es gelte, Gemeinsamkeiten zu finden, "Ohr und Auge füreinander zu haben". Vielleicht lässt sich die Kluft zwischen den Generationen über die gemeinsame - regionale - Geschichte überwinden. Und eben zu dieser Geschichte gehört der Dialekt.
