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Gemischte Gefühle
Liebe Simmozheimer Gemeinde,
welch spannender Moment, wenn ich zum ersten Mal eine neue Jahreslosung lese! Schon des öfteren hatte ich spontan den Eindruck, mit diesem Bibelwort kann ich etwas anfangen. Manchmal war ich eher skeptisch und dachte: Oh je, so ein schwerer Vers! Als ich die Losung für das Jahr 2004 zum ersten Mal vor mir sah, empfand ich beim Lesen sehr gemischte Gefühle. Ein Bibelvers, der mich erschreckt und tröstet zugleich!
Zum ersten. Von der Vergänglichkeit ist die Rede. Alles - alles vergeht! Der Himmel vergeht, und die Erde vergeht. Nichts bleibt - im Großen nicht, im Kleinen nicht! Meine Welt ist gnadenlos der Vergänglichkeit unterworfen. Meine Welt! Meine Welt! Ich kann nichts festhalten. Nichts ist für ewig.
Zum zweiten. Das ist leider eine bekannte Erfahrung. Alles fließt, alles ist im Fluß. Ich bin unterwegs. Ich habe hier auf Erden keine bleibende Stadt. Was aber ist, wenn alles vergeht, worauf ich gebaut habe und baue? Schwer genug, ans eigene Ende, an den Tod zu denken! Aber wenn nun alles vergeht? Du mit mir, und ich mit dir? Himmel und Erde?
Zum dritten. Etwas bleibt offenbar doch, einer schnellebigen Zeit zum Trotz: Jesu Worte. Er selbst ist gestern, heute und in Ewigkeit. Am Ende bleibt etwas. Nicht alles ist der Vergänglichkeit unterworfen! Auch das ist glücklicherweise eine Erfahrung, die wir schon gemacht haben.
Zum vierten. Was bleibt? Worte! Nichts als Worte? Nichts als Worte! Aber das ist viel. Das kann alles sein. Worte haben es in sich. Sie können trösten, schmeicheln, verletzen, treffen, helfen, Mut machen. Schon menschliche Worte entfalten eine kräftige Wirkung um wieviel mehr Jesu Worte, das Wort unseres Gottes? Sein Wort kommt niemals lehr zurück. Unter uns Menschen gibt es viel leeres Gerede und Geschwätz. Gottes Wort tut, was es sagt; und wirkt, was es verheißt. Seine Worte sind schöpferische Worte Worte, die Leben, Glück, Frieden und Seligkeit bringen. Ich bin das Licht der Welt. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Dafür verbürgt sich Jesus. Diese Worte werden niemals vergehen. Sie bleiben, weil der, der sie spricht, bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er war vor aller Zeit. Er wird am Ende der Zeit sein, wenn es keine Zeit mehr gibt. Jesu Worte sind ewige Worte. Da bin ich akzeptiert, geliebt, wertgeachtet.
Zum fünften. Deshalb darfst du den Worten deines Herrn Jesus Christus vertrauen. Sie helfen uns in Zeit und Ewigkeit. Überhaupt, wir müssen ganz neu Worten Gehör verschaffen jedenfalls den guten Worten, den liebevollen, den ehrlichen. Jesu Worte tragen uns durch Freud und Leid. Er steht zu seinem Wort. Seine Verheißungen bleiben gültig an jedem Ort und zu jeder Zeit. Er hat Worte gegen die Angst, gegen Anfechtungen, gegen Sorge, Not und Tod. Alles wird gut, gerade weil einmal alles vergeht. Am Ende, zuletzt kommt Gott mit seinem Wort, das wir längst kennen: Jesus. Er ist das Wort Gottes, und seine Worte haben Ewigkeitscharakter.
Zum sechsten. Wir bleiben auch im Tod mit unserem Schöpfer verbunden. Nichts kann uns jemals von Gott trennen. Im Schmerz, sagt Jesus, in der Trauer, im Leid, inmitten all deiner Probleme darfst du mir vertrauen. Laß dir an meiner Gnade genügen. Was willst du mehr? Meine Worte sind Worte der Liebe und Worte der Wahrheit. Sie sind Worte des Lebens gegen den Tod. Meine Worte richten dich auf, wenn du traurig bist. Glaube, vertraue dann bricht mitten in deiner Welt der Himmel an. Dann fällt ein Licht der Ewigkeit in das Dunkel unserer Zeit.
Herzliche Grüße! Alles Gute, Gesundheit, Gottes Segen und sein freundliches Geleit,
Ihr Pfarrer Manfred Mergel
Die Qual der Zahl
Liebe Leserinnen und Leser,
vieles in unserem Leben lässt sich anhand von Zahlen messen. Wirtschaft und Industrie erstellen Bilanzen, an denen sie Erfolg oder Misserfolg ablesen können. Auch die Landwirtschaft misst ihren Ernteertrag und vergleicht ihn mit den Erträgen vergangener Jahre und kommt dann zu den Aussagen: „Dies war ein gutes Jahr“, oder: „Dies war ein schlechtes Jahr“. Natürlich messen Sportlerinnen und Sportler ihre erzielten Zeiten, Weiten und Höhen. Selbst das Fernsehen misst die Einschalt-Quoten jeder Sendung und weiß dann, wie viele Zuschauer vor dem Bildschirm dabei waren.
Anderes in unserem Leben lässt sich nur schwer anhand von Zahlen messen. Ich denke z.B. an die Zeugnis-Noten von Schülerinnen und Schülern. Jeder, der am Bildungs- und Ausbildungsgeschäft beteiligt ist, weiß, wie wenig eine Zahl zwischen eins und sechs über die vielschichtigen Persönlichkeiten und komplexen Begabungen von Schülern aussagt, ganz abgesehen davon, dass Schülernoten immer auch Noten für Lehrer sind, weil beide ja unmittelbar am Bildungsgeschehen beteiligt sind.
Vollends problematisch erscheint mir immer öfter, wie manchmal sehr knappe Mehrheitsvoten sich in unserer repräsentativen Demokratie durchsetzen und durchaus beachtliche Minderheitenvoten unter den Tisch fallen, ja, wie sich unsere politische Willensbildung knallhart anhand von Prozentzahlen vollzieht und sie sich leider, so ist mein Eindruck, oft nur nach dem richtet, was mehrheitsfähig ist, und nicht auch nach dem, was unbedingt nötig wäre. Dabei sollte Politik wahrlich nicht nur das tun, was ankommt bei den Wählern, sondern vor allem das tun, worauf es ankommt. Wo bleibt denn das Unbequeme, das Herbe, das Kantige, das Harte, das Unorthodoxe?
Verlangt unser Zusammenleben nicht auch solche Entscheidungen und Maßnahmen von unseren gewählten Entscheidungsträgern, die auch mal unpopulär sind? Und sollten wir als Wählerinnen und Wähler ihnen solchen Mut nicht in Form von Stimmen lohnen?
Ich denke, es ist die Aufgabe von uns Christen, der einseitigen Quantifizierung des Lebens in den verschiedensten Bereichen zu wehren und dagegen Wert zu legen auf die „Qualität“ des Lebens, auf seine „Beschaffenheit“. Wir sollten uns als Christen diesen etwas anderen Blick aufs Leben schon um der Menschen willen gestatten, die unter der unbarmherzigen Qual der Zahl leiden und daran zu zerbrechen drohen, weil sie ihr gefordertes Leistungs-Quantum nicht erfüllen können. Im Glauben geht es um die Qualität unseres Lebens, um seine Wahrheit und Wirklichkeit. Es ist nicht in Zahlen, Statistiken und Prognosen zu fassen. Der Glaube lässt sich sowenig messen, wie Gott, auf den er sich bezieht.
Dazu ein paar Beobachtungen in der Bibel: Bezeichnenderweise kennt das Neue Testament das Wort „Erfolg“ gar nicht, wohl aber, und das sehr häufig, das Wort „Frucht“. Was bedeutet das für unser Erfolgs-Sucht? Erstaunlicherweise geht der Hirte im Gleichnis dem einen verlorenen Schaf nach, bis er es findet, und lässt die neunundneunzig in der Wüste. Erfreulicherweise (für uns Pfarrer) verheißt Jesus Christus seine Gegenwart im Gottesdienst schon dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, und nicht erst, wo z.B. zwei- oder dreihundert versammelt sind. Geistliches Leben lässt sich schlechterdings nicht anhand von Zahlen messen. Das vergessen wir manchmal. Mitunter verbirgt sich dieses Leben sogar unter dem Gegenteil und kommt dann ganz klein, unscheinbar und gering daher, so ganz anders, als erwartet, ganz paradox.
Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Pfarrer Beatus Widmann
(Quelle: Kirchenblättle Mühlacker, Oktober und November 2003. Wir veröffentlichen dieses geistliche Wort mit freundlicher Genehmigung des Verfassers, der Pfarrer ist an der Andreaskirche zu Dürrmenz)
Mit dem Herzen!
Liebe Gemeinde, liebe Leser,
wie findet man eigentlich Freunde? Mit den rechten Turnschuhen? Mit dem Herzen? Mit Intrigen? Mit der Kreditkarte?
Das ist der Text einer Anzeige der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf die ich neulich aufmerksam wurde.
Was würden Sie ankreuzen? Ich schätze, Sie wählen die zweite Möglichkeit. Denn die Antwort liegt auf der Hand.
Freunde gewinnt man mit dem Herzen!
Aber stimmt es auch? Unser Alltag widerspricht dem kräftig. Sonst wäre die Pointe dieser Annonce witzlos.
Gleich und gleich gesellt sich gern. Wir finden unsere Freunde anhand dessen, was vor Augen liegt.
Wir suchen sie mit Hilfe äußerlicher Kriterien. Wer ist erfolgreich? Wer spricht die gleiche Sprache?
Wer übt einen vergleichbaren Beruf aus? Wer hat ähnliche Vorlieben und Interessen? Wer glaubt an den gleichen Gott?
Das ist normal. Das ist menschlich. Anders können wir nicht leben. Wir brauchen eine gemeinsame Basis, wenn wir miteinander regelmäßig Umgang haben. Alle Beziehungen ohne eine bestimmte Gemeinsamkeit sind früher oder später sinnlos. Sie belasten uns. Sie kosten Kraft. Sie machen uns unglücklich. Wer kennt nicht solche Erfahrungen? Man hat sich nichts mehr zu sagen am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Gemeinde.
Die Jahreslosung öffnet uns den Blick für Gottes Herzlichkeit. So nenne ich einmal seine Art, auf das Verborgene zu achten. Jenseits aller sichtbaren Realität gibt es noch eine unsichtbare Realität. Darauf schaut Gott. Er sieht uns ins Herz. Er legt andere Maßstäbe an. Sein Urteil kommt aus einer uns fremden Tiefe des Blickes. Wir sehen, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.
Meine Identität steht plötzlich auf dem Spiel. Wem vertraue ich? Wer bin ich? Wem gehöre ich? Glaube ich an den gekreuzigten Gott, der alles Sichtbare auf den Kopf stellt? Er kann mit mir etwas anfangen, wenn ich am Ende bin. Er macht eine Niederlage zum Sieg. Er verwandelt Trauer in Freude. Das aber hat Konsequenzen. Ich muß Liebgewordenes aufgeben. Ich muß alte Brücken abbrechen. Ich muß neue Wege suchen, um an das Ziel meines Lebens zu gelangen.
Gott erwartet ein Bekenntnis zu seiner in Jesus Christus erschienenen Gerechtigkeit. Sie ist und bleibt unsichtbar. Sie liegt nicht vor Augen. Sie ist niemals mit Händen zu greifen. Unser Gott bekennt sich zu seinem Sohn Jesus Christus, als er am Kreuz verzweifelt nach ihm schreit. Er rettet ihn aus dem Tod. Er schenkt ihm ein ewiges Leben. Denn Gott sieht ins Herz. Sind Sie bereit, sich und Ihre Vorurteile kritisch zu prüfen? Schätzen Sie auch die, die klein sind, schwach und erfolglos?
Wie findet man Freunde? Mit dem Herzen! In diesem Sinne alles Liebe - ich wünsche Ihnen viel Mut und gute Erfahrungen mit der Herzlichkeit Gottes.
Ihr Pfarrer Manfred Mergel
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Antoine de Saint-Exupéry
Mit de Auga sieht mr viel. Aber mit m Herz sieht mr, auf was akommt.
Manfred Mergel






