Kirchengemeinde Simmozheim

Auch Pfarrer hatten es schwer

Seniorentreff von der Reise durch die Vergangenheit begeistert


Von Bettina Bausch

Simmozheim. Eigentlich sollte das Referat von Doris Gerstmair beim Simmozheimer Seniorennachmittag nur ein Bericht über 200 Jahre Pfarrhaus und dessen Bewohner werden. Es wurde jedoch zu einer lebendigen Darstellung früherer Lebensverhältnisse der Menschen sowie ihrer Probleme und Nöte. Dies war es, was die Simmozheimer Senioren für zwei Stunden im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus regelrecht faszinierte.

45 Pfarrer und ihre jeweilige Dienstzeit aus den Jahren 1554 bis heute hatte die Heimatforscherin aus den Archiven ausgegraben und aufgelistet.

Von einigen dieser Prediger und ihrer Familien wusste sie Spannendes und sehr Menschliches zu berichten. Bei den Schilderungen bekamen die Senioren Einblick in Freud und Leid der Menschen von damals.

Da war zum Beispiel das Schicksal der Pfarrfamilie Seeger, die von 1801 bis 1830 in Simmozheim lebte. Bei einem Pfarrhausbrand verlor sie ihren ganzen Besitz. Sie musste bis zur Fertigstellung des neuen Pfarrhauses jahrelang bei verschiedenen Bürgern wohnen. Von den 17 Kindern starben die meisten einen frühen Tod. Der Pfarrer brauchte nach dem Tod seiner Frau dringend eine Mutter für seine Kinder und beantragte deshalb bei König Friedrich von Württemberg eine Sonderheiratserlaubnis, da er das vorgeschriebene Trauerjahr nicht einhalten konnte.

Die Zuhörer bekamen auch einen Einblick in die bescheidenen Lebensverhältnisse der damaligen Zeit. Die Geistlichen bekamen kaum Geld, sie wurden mit Naturalien wie Dinkel, Stroh, Holz, Wein und Obst besoldet und es war oft mühsam, dies einzutreiben. Nicht weniger interessant waren Auszüge aus Rundschreiben der Kirchenbehörde an die Geistlichen, die sogar die Kleidung regelten. „... bei amtlichen Verrichtungen und sonstigen öffentlichen Gelegenheiten nie anders als im schwarzen Rock, Weste und kurzen Beinkleidern und Schnallenschuhen zu erscheinen“, hieß es da zum Beispiel. Zum Lebenswandel der Pfarrer zitierte Gerstmair unter anderem: „... wann einige Pastores auf dem Land fast auf alle Jahrmärkte in der Nachbarschaft reisen, da selbst sich in Wirtshäusern unter das gemeine Volk setzen, mithin bei solchem öffentlichen Zechen viele Flüche, ohnzüchtige grobe Possen ... selbst mit anhören müssen...“

Auf großes Interesse stießen auch Erzählungen von Pfarrfamilien, die bei den älteren Simmozheimern teilweise noch in Erinnerung waren. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass beschlossen wurde, sie fortzusetzen.

Der zu neuem Leben erweckte Kirchenchor umrahmte den Seniorennachmittag mit einigen geistlichen Liedern.




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