Auszeit von der hektischen Vorweihnachtszeit
Pfarrer Manfred Mergel sorgt am offenen Kamin für Besinnliches und Spannendes zugleich
Von Corina Neuer und Evi Stoll
Gleich zwei Novums, wie er selbst bemerkte, stand Pfarrer Manfred Mergel bei der Lesung seiner „liebsten Weihnachtstexte“ in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule am Mittwochabend gegenüber. Nicht nur, dass er sowohl hochdeutsche als auch schwäbische Geschichten und Gedichte der Adventszeit am offenen Kamin vortrug, dies tat er auch zum ersten Mal in einer Gaststätte, „dem Pulverfässle“ im Schützenhaus. „Scharfe Munition“, wie er sagte, gab es in dem Lokal jedoch nicht. Eher eine „Auszeit“ von der von Hektik und Konsumrausch geprägten Vorweihnachtszeit.
Sein erlesenes Publikum brachte er dazu, sich zurückzulehnen und einfach einmal wieder zuzuhören. Dabei ließ der Geistliche aber keine Langeweile aufkommen, vielmehr sorgte er mit verschiedenen Tonlagen, Betonungen und der Mischung aus Schriftsprache und Dialekt für einen spannenden und zugleich besinnlichen Abend. Kurze und lange Texte schufen ebenfalls Abwechslung. „Verzeihen Sie mir, dass ich ohne die Mundart nicht mehr auskomme“, begründete er seine Entscheidung, sein Schwäbisch auch bei einer solchen Veranstaltung zum Besten zu geben.
Ob die „Flucht der Heiligen Familie“ von Joseph von Eichendorff oder „Christuslegenden“ von Lagerlöf, jede Erzählung war für das Publikum Ratschlag fürs Leben und geweckte Erinnerung zugleich. „Man soll das Vertrauen ins Leben nicht wegwerfen“, machte Mergel mit einer Anekdote deutlich. Mit einer anderen berichtete er von den „Augen, die Gottes Herrlichkeit sehen können“.
Die von ihm vorgetragenen Texte ließen Melancholie, Wehmut und Traurigkeit, welche in der Weihnachtszeit oftmals aufkommen, nicht außen vor. Selbst mit dem Sprung in Saint-Exuperys „Der kleine Prinz“, den Mergel in seiner schwäbischen Übersetzung nahe brachte, verlor sich die weihnachtliche Stimmung bei der Lesung nicht. Der Simmozheimer, der auch unbekannte Autoren zu Wort kommen ließ, machte jedem einzelnen Mut, seine schönsten Weihnachtsgeschichten aufzuschreiben. Dank des offenen Kaminfeuers herrschte wohlige Wärme in der Gaststätte. Das Feuer verriet auch, wie sehr die Erzählungen die Gäste in ihren Bann zogen, denn außer Mergels Stimme war fast nur das Knistern der Flammen zu hören.
Pfarrer Manfred Mergel las seine liebsten Weihnachtstexte am offenen Kamin vor.
