Heimatforscherin geht die Arbeit nicht aus
Doris Gerstmair aus Simmozheim ist eine anerkannte Historikerin
Von Bettina Bausch
Doris Gerstmair ist in Simmozheim eine anerkannte Heimatforscherin. Deshalb wird sie immer wieder angefragt als Referentin bei Seniorentreffen, im Frauenkreis oder zu Führungen mit Schulklassen.
Doch der Weg zu ihrem heutigen Wissen über die Simmozheimer Heimatgeschichte war weit und mitunter auch steinig. Es begann alles mit ein wenig Ahnenforschung. Ansonsten war die Hausfrau und Mutter mit zahlreichen Hobbys wie Gartenarbeit, Pflanzenkunde, Kochen, Lesen, dem Hören klassischer Musik und dem regelmäßigen Schreiben ihres Tagebuchs zu sehr ausgelastet, um noch mehr in den Archiven zu stöbern. Aber dann kam die Anfrage zur Mitwirkung an der Simmozheimer Ortschronik „Geschichte und Geschichten“. Verstärkt war die jetzt 57-Jährige im Pfarrbüro mit der systematischen Sichtung und Auswertung der Kirchenbücher beschäftigt. Ebenso konnte man sie im Gemeindearchiv des Rathauses finden, wo sie stundenlang über Befehlsbüchern, dem Fronbuch, Berichten über Waldfrevel und Auswanderer sowie Gefallenenlisten saß. „Ich hatte als Einheimische, die hier aufgewachsen und tief verwurzelt ist, viele Vorteile. Ich kannte zum Beispiel schon die Flurnamen und alte Mitbürger, bei denen ich nachfragen konnte“, erklärt die Heimatforscherin.
Bei allem Wissen, das sich Doris Gerstmair im Laufe der Zeit aneignete, stand immer die Frage im Vordergrund: „Wie war das Alltagsleben der Menschen damals?“ Ihre Vorgehensweise fasst sie so zusammen: „Erst durch Verknüpfungen der verschiedenen Informationen über Familien, Berufe, Todesursachen und Kindersterblichkeit wird die Vergangenheit lebendig“.
Als besonders interessant erlebte die gelernte Einzelhandelskauffrau die Auswertung der Protokolle des „Kirchenkonvents“. Dieser übte eine Art niederer Gerichtsbarkeit über Verfehlungen gegen die zehn Gebote aus und bestrafte Sonntagsarbeit, Kartenspiel, Streitereien und dergleichen mehr.
Ebenso faszinierend fand sie die Beschäftigung mit dem Leben und den Schicksalen der Simmozheimer Pfarrfamilien. Die Hobbyforscherin ist ihrem Mann Werner dankbar für sein Verständnis, das er ihr angesichts der vielen Arbeit entgegenbringt. „Als nächstes Projekt habe ich mir für diesen Winter die Abschrift und Auswertung des Kriegstagebuchs meines Vaters vorgenommen, damit die Nachkommen es auch noch lesen können“, berichtet die engagierte Ortschronistin.

Doris Gerstmair hat schon vieles über die Heimatgeschichte von Simmozheim veröffentlicht. Ihr Mann Werner hat jeweils das Drucken und Binden ihrer Werke besorgt.
