Nicht nur Rommel hat Humor
Simmozheim: Stuttgarts ehemaliger OB Manfred Rommel zu Gast im evangelischen Gemeindehaus am 20. Juni 2002
Von Ralf Recklies
Wer den einstigen Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel kennt, der weiß, dass der einstige
Kommunalpolitiker alles andere als trocken und spröde ist. Und so sorgte der humorige Schwabe denn
auch bei seiner jüngsten Lesung im evangelischen Gemeindehaus Simmozheim für einen unterhaltsamen
Abend ohne jede Langeweile. Eingeladen hatte den inzwischen auch als Buchautor renommierten Ex-OB
der Simmozheimer Pfarrer Manfred Mergel, "denn ich möchte über die Mundart mehr Leute erreichen",
sagt der Kirchenmann, der künftig nicht nur mit namhaften Gästen zu unterhaltsamen Lesungen locken
möchte, sondern der auch mit schwäbischen Gottesdiensten einmal die alten und tradierten Pfade in
der Kirchenarbeit verlassen möchte, "um die Menschen persönlicher und direkter anzusprechen". Dass
die Mundart gerade in einer Dorfgemeinschaft wie Simmozheim helfen kann, Barrieren einzureißen, das
weiß Pfarrer Mergel sehr genau, schließlich gehört er selbst zum Kreis der Mundartautoren, die
mit ihren schwäbischen Werken so manchen Leser und/oder Zuhörer zum Schmunzeln und Nachdenken
bringen. "Ich weiß, dass diese Art der Kirchenarbeit nicht überall gleichermaßen auf Gegenliebe
stößt", verrät er im Gespräch mit der Sindelfinger Zeitung, der Erfolg bei der Premierenveranstaltung
gab dem Pfarrer aber recht, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: Weit mehr als 150 Besucher
waren trotz drückender Schwüle in das Gemeindehaus gekommen, drängten sich in den Sitzreihen und
brachten den evangelischen Ort der Begegnung nahezu zum Bersten. Dies aber nicht nur wegen der
großen Besucherzahl: Auch die Lachsalven, die Rommel mit seinen Erzählungen und Lesungen
provozierte, brachten wieder und wieder die Zwerchfelle, Stühle, Bänke und Wände zum Beben.
Rommel erwies sich bei der Lesung erneut als ein mit allen Wassern gewaschener Politprofi und ebensolcher
Wortkünstler. Herrlich, wie der Stuttgarter das Publikum mit Anekdoten und Geschichten aus dem Alltag eines
(angehenden) Oberbürgermeisters in seinen Bann zog und dabei auch nicht davor zurückschreckte, sich selbst immer
wieder ins Visier und aufs Korn zu nehmen. Da schildert er fröhlich, wie er als Soldat ins Waschwasser des
Vorgesetzten gepinkelt hat, weil sich dieser vorgenommen hatte, Rommel als Sohn des einstigen Wüstenfuchses zu einem
Mustersoldaten zu machen und ihn besonders schikanierte, er berichtet von Selbstmordplänen eines Beamten und der
Bitte des Ministerialdirigenten, "er möge doch vorläufig darauf verzichten" und erzählt von seinem eigenwilligen
Aufstieg zum OB-Kandidaten: Nachdem alle potenziellen Bewerber abgelehnt hatten, "bin nur noch ich übrig geblieben",
so Rommel spaßig. Und da man ihn mit den Worten "du trausch Dich ja sowieso nicht" gereizt habe, habe er sich
aufstellen lassen. Schon damals hätte man gewusst, "dass ich objektiv und sachlich bin: denn ich wusste von allem
gleich wenig."
Ganz gleich, ob Rommel darauf verwies, dass man "ohne Lügen in der Politik" nicht auskommt oder ob er auf schwäbische Eigenheiten wie Nachbarstreit, Neid oder Sparsamkeit zu sprechen kam, immer hatte er eine Geschichte dabei, die das Leben geschrieben und Rommel als sprachgewandter Chronist und Sammler aufgeschrieben hatte.
Wer aber glaubte, Rommel verstehe sich nur auf Prosa, wurde im zweiten Teil des Abends eines anderen belehrt. Mit altbackenen und neueren - oft aber bitterbösen Witzen, Reimen und kleinen Gedichten - sorgte er für einen Lacher nach dem anderen. Und dies in einer rasanten Geschwindigkeit, so dass die Zuhörer aus dem Lachen oft nicht mehr heraus kamen. Mögen die Späße gegen Ende auch ein wenig verflacht sein, so hat der "Hasser der Gästebücher", die er mit allerlei gereimten Boshaftigkeiten bekämpft, doch bewiesen, dass er ein Mensch mit viel hintersinnigem Witz und erfrischendem Humor ist. Schön auch, dass Rommel immer wieder die Gemeinde und den Autorenkollegen mit kleinen humorigen Seitenhieben auf Kirche und Glauben auf die Probe stellte: Doch anstelle von Gegenreaktionen auch hier nur Lacher, so dass sich Rommel am Ende sicher war: Die Simmozheimer haben halt Humor.
