Kirchengemeinde Simmozheim

Adventliche Lesung lässt Hörer zu innerer Ruhe kommen


Pfarrer Manfred Mergel liest aus Waggerls Weihnachtsgeschichten

Von Bettina Bausch


Simmozheim. Die Volkshochschule und die Kirchengemeinde hatten in die idyllisch gelegene Gaststätte „Pulverfässle“ im Schützenhaus zu einer Lesung mit Pfarrer Manfred Mergel eingeladen. Wenn auch dieses Mal wenig mundartlich gelesen wurde, so hatten sich doch mehr als 80 Zuhörer eingefunden.

Rainer Maria Rilkes Geschichte „Advent“ und Eduard Ebels „Leise rieselt der Schnee“ trugen zur adventlichen Einstimmung der Hörer bei. Advent als ruhig-besinnliche Vorweihnachtszeit sehen, ruhig werden und die Hektik des Alltags hinter sich lassen, das war die Absicht der Lesung. Und wie hätte dies besser erreicht werden können, als mit den heiter-besinnlichen Geschichten von Karl Heinrich Waggerl?

Ein erster Abschnitt galt der Zeit, als Advent noch „die stillste Zeit im Jahr“ war, „die Zeit der großen Zuversicht und der gläubigen Hoffnung“, wie es der Schriftsteller ausdrückt. Es wurde berichtet von adventlichen Vorbereitungen im ärmlichen Elternhaus des Dichters und darüber, wie man sich vor 100 Jahren noch über kleine Geschenke freuen konnte. Als Erwachsener mit einem gewissen Wohlstand konnte Waggerl dann auch eine wichtige Frage beantworten: „Warum ist es nur so schwer geworden, Freude zu schenken und dabei selbst froh zu sein? Vielleicht müssen wir alle ein wenig ärmer werden!“ meint Waggerl.

Die Hörer hatten sichtlich Freude an der Geschichte „Worüber das Christkind lächeln musste“. Ein Floh im Stroh der Krippe hatte Angst davor, gefunden und getötet zu werden und flüchtete in das Ohr des Jesuskindes. Sein Krabbeln erzeugte ein Kitzeln im Ohr des göttlichen Kindes und es lächelte. „Ach sieh doch!“ sagte Maria zu Josef, „es lächelt schon!“ Es waren nicht nur die Inhalte, die milde Ironie und der weise Humor, sondern auch die unnachahmlich plastische Erzählweise und die zauberhafte Sprache des österreichischen Dichters, die die Hörer in ihren Bann zogen.

Vielleicht konnten die Besucher nach der schlichten Lesung die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, mit der Waggerl eine seiner Erzählungen abschließt: „Ale echten Dinge sind schlicht und leise, im Kleinen wie im Großen. Laut sind nur die großen Worte“.

Pfarrer Mergel gab auch in lupenreinem Schwäbisch kleine Kostproben aus seiner jüngst erschienenen Veröffentlichung „Schwäbisches Adventskalenderbuch“.


Zurück zur Startseite

Design by exzentri.com