Kirchengemeinde Simmozheim

Zuhörer gönnen sich eine Auszeit

Geschichten zur Advents- und Weihnachtszeit im „Pulverfässle“ / Pfarrer Mergel plant neues Projekt

Von Bettina Bausch

Wenn auch draußen das Wetter noch gar nicht weihnachtlich war, so war das Simmozheimer „Pulverfässle“ doch schon ganz adventlich geschmückt und verbreitete eine behagliche, vorweihnachtliche Stimmung: Adventskerzen brannten, ein Weihnachtsbaum erstrahlte bereits in vollem Glanz, in dem offenen Kamin knisterten Holzscheite und spendeten eine wohltuende Wärme.

Dicht an dicht saßen die Hörer und erfreuten sich an den weihnachtlichen Texten, die Pfarrer Manfred Mergel vortrug. Der Streifzug durch die vielfältige Weihnachtsliteratur reichte von heiteren Schmunzelgeschichten bis zu besinnlichen und kritischen Texten.

Ein Teil des Abends war Erich Kästner gewidmet. Aus dem „Fliegenden Klassenzimmer“ hörten die Besucher die Geschichte eines Jungen, der sich im Internat immer weniger freut, je näher Weihnachten rückt. Selbst Geschenke lassen ihn kalt. Lehrer Dr. Böck bemerkt, warum der Junge verstimmt ist und nicht heimfährt wie alle anderen Schüler: Sein Vater ist arbeitslos, in der Familie herrscht bittere Armut und der Junge hat kein Geld für die Heimfahrt. Der Lehrer schenkt ihm überraschend Geld, das dann sogar noch für kleinere Geschenke reicht und die Familie so fröhliche Weihnachten feiern kann.

Kästners sozialkritische Sicht kam bei seinem Gedicht „Weihnachtslied, chemisch gereinigt“ noch deutlicher zum Ausdruck. Dort heißt es: „Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt ...“

Eher zum Schmunzeln war die Geschichte „Der Weihnachtskarpfen“ von Vicki Baum. In der Kriegszeit, als die Versorgung mit Lebensmitteln sehr knapp war, hatte Tante Mahle 14 Tage vor Weihnachten einen lebendigen Karpfen ergattert und in der Badewanne untergebracht.

In feinfühlig-humorvoller Weise schildert die Autorin, wie selbst zwei Offiziere und ein Chirurg es nicht fertig bringen, das Tier zu töten, weil sie es durch die Benutzung des Badezimmers als liebevollen Hausgenossen erlebt haben.

Schließlich landet der Karpfen doch auf dem Festtagstisch und die Geschichte endet mit dem nachdenklichen Fragesatz: „Wozu haben wir ihn getötet, wozu töten, wozu?“

Die Texte aus Manfred Mergels „Schwäbischem Adventskalenderbuch“ forderten unter anderem dazu auf, sich in der Advents- und Weihnachtszeit täglich wenigstens zehn Minuten, möglichst bei Kerzenschein, Ruhe und Besinnung zu gönnen.

Ein besonderes Anliegen des Pfarrers ist, auch andere zum Schreiben zu animieren. „Wenn mir jemand sagt: 'Da könnte ich ein Buch darüber schreiben', sage ich immer: 'Schreiben Sie es doch auf'". Erste Texte aus der Gemeinde seien schon bei ihm eingegangen.

Bereits im nächsten Jahr ist ein eigener Abend mit solchen Texten geplant. Weihnachtliche Kindheitserinnerungen zweier Simmozheimer Bürgerinnen las Mergel dann auch vor.

Pfarrer Manfred Mergel stimmte die zahlreichen Besucher mit humorvollen und besinnlichen Texten auf die Advents- und Weihnachtszeit ein.


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